Schuld und Vergebung

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"Aber der Übeltäter einer, die da gehenkt waren, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: Fürchtest du dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Und wir zwar sind mit Recht darin, denn wir empfangen, was unsre Taten wert sind; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: heute wirst du mit mir im Paradiese sein." (Lukas 23, 39-43)

Dies ist eine sehr bekannte Stelle des Neuen Testaments. Leider ist diese Begebenheit in den anderen Evangelien nur sehr kurz beschrieben, und leider bei Matthäus und Markus auch widersprüchlich. In Matthäus 27,44 findet sich nur der Satz: "Desgleichen schmähten ihn auch die Mörder, die mit ihm gekreuzigt waren."

Wir wissen nun nicht sicher, ob die beiden Verbrecher (offenbar Mörder) nun beide Jesus gelästert haben oder ob einer seine Schuld bereut und Vergebung empfangen hat (wobei ich letzteres annehme). Andererseits ist die Bibel voller Beispiele, wie Menschen mit schwerer Schuld auf einmal zu Gott gefunden haben und Gnade bekommen. Ich möchte nur Saulus erwähnen, der die ersten Christen verfolgte, foltern und töten ließ in dem Glauben, Gott damit zu dienen. Auf dem Weg von Jerusalem nach Damaskus erschien ihm Jesus und offenbarte sich ihm. Darauf wurde der berüchtigte Saulus zum sprichwörtlichem Paulus und war einer der bedeutendsten Missionare für die junge christliche Gemeinde.

Petrus, einer der bekanntesten Jünger von Jesus, gelobte Jesus bedingungslose Treue, als dieser erwähnte, daß seine Jünger ihn verraten würden. Und Jesus entgegnete:  "Wahrlich, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen." (Matthäus 26,34). Und weiter heißt es dort: "Petrus sprach zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müßte, so will ich dich nicht verleugnen. Desgleichen sagten auch alle Jünger." 

Darauf wurde Jesus gefangengenommen und verhört. Petrus wollte Jesus keinesfalls im Stich lassen und folgte der Menge in den Hof des Palastes des Hohenpriesters. Matthäus 26, 69-75 erzählt alles weitere: "Petrus aber saß draußen im Hof; und es trat zu ihm eine Magd und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus aus Galiläa. Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst. Als er aber zur Tür hinausging, sah ihn eine andere und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit Jesus von Nazareth. Und er leugnete abermals und schwur dazu: Ich kenne den Menschen nicht. Und über eine kleine Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus: Wahrlich, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verrät dich. Da hob er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht. Und alsbald krähte der Hahn. Da dachte Petrus an die Worte Jesu, da er zu ihm sagte: Ehe der Hahn krähen wird, wirst du mich dreimal verleugnen, und ging hinaus und weinte bitterlich.

Die Bibel erzählt uns, daß Petrus trotz seines "Hochverrats" an Jesus neben Paulus einer der wichtigsten Missionare der Christenheit war. Der Legende nach soll er ebenfalls den Märtyrertod gestorben sein. 

Auch die heutige Zeit kennt derartiges, wenn auch nicht ganz so extrem. Karla Faye Tucker, eine drogenabhängige texanische Mörderin, die mit ihrem Freund zwei Menschen mit der Spitzhacke erschlug, sollte als erste Frau seit langem in Texas exekutiert werden. Im Gefängnis begann sie bald, in der Bibel zu lesen, und sie bekehrte sich zu Jesus. Daß ihre Bekehrung aufrichtig war, war daran zu erkennen, daß sie mit Leidenschaft Videos gegen Drogen drehte, um Jugendliche davon abzuhalten. Nicht nur amnesty international, sondern auch der Papst und selbst einige amerikanische Fernsehprediger, die sonst permanent für die Todesstrafe wettern, setzten sich für sie ein. Doch der damalige Gouverneur von Texas und heutige US-Präsident, George W. Bush, lehnte eine Umwandlung des Todesurteils in eine lebenslange Haftstrafe ab. Karla Tucker wurde am 3. Februar 1998 in Texas durch die Giftspritze hingerichtet.

Die Bibel sagt uns, daß wir Vergebung von Schuld erlangen können, wenn wir aufrichtig darum bitten. Stellen wir uns mal folgendes vor: Ein Junge schießt mit dem Fußball eine Fensterscheibe ein. Er hat Angst und fragt sich, ob sein Vater ihm wohl verzeiht. Er ringt mit sich, ob er seine Schuld abstreiten oder zugeben soll. Schließlich siegt sein Gewissen und er erzählt seinem Vater seine "Untat". Dieser wird wohl mit ihm schimpfen, und je nach Charakter ihn zusätzlich bestrafen oder ihm verzeihen, weil er ehrlich war.

Wenn wir jedoch Schuld vor Gott haben, dann besteht ein Problem nicht: Wir müssen Gott nicht unsere Schuld mitteilen (Gott sieht in unsere innersten Gedanken und kennt unsere Schuld viel besser als wir selbst), sondern wir müssen nur dazu stehen und bekennen: "Ich gebe zu, daß ich es war, vergib mir bitte!" Selbst wenn wir auf dem Sterbebett liegen und nur noch eine Minute zu leben haben, können wir beten "Herr Jesus Christus, bitte vergib mir meine Schuld!" Wenn unser Gebet so aufrichtig ist, daß wir auch dann bereuen, wenn wir weiterleben dürften, dann können wir Vergebung erhalten - völlig unverdient! Selbst wenn wir nicht mehr fähig sind, zu sprechen - Gott sieht auch unsere Gedanken. Wie viele Stoßgebete haben wohl schon Menschenseelen gerettet!

Eines aber ist bitterernst: In der Bibel steht auch, daß Gott sich nicht spotten läßt. Wenn wir nun meinen, wir könnten unser Leben lang nach Strich und Faden Schuld auf uns laden (Betrügereien, Mobbing, Ehebruch, Diebstähle, Schlägereien, Lügengeschichten erzählen usw.) und müßten "nur" kurz vor unserem Tod um Vergebung bitten, dann irren wir uns. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer eine Bitte um Vergebung sein kann, auch bei deutlich "unterdurchschnittlicher" Schuld! 

Allerdings erwartet Gott von niemandem eine "100%ige" Bekehrung von "allen Sünden". Wer dies behauptet, der vergißt, daß er auch als Christ immer noch ein fehlbarer Mensch ist und Tag für Tag Vergebung braucht. Wenn Gott sieht, daß in uns eine echte Wandlung stattgefunden hat, wir er uns die eine oder andere Sünde (die ich auch immer wieder begehe) vergeben. 

Auch schert Gott nicht alle Menschen über eine Kamm: "Der Knecht aber, der seines Herrn Willen weiß, hat aber nichts bereitet noch nach seinem Willen getan, der wird viel Streiche leiden müssen. Der ihn aber nicht weiß und hat getan, was der Streiche wert ist, wird wenig Streiche leiden. Denn welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen, und welchem viel anbefohlen ist, von dem wird man viel fordern" (Lukas 12, 47+48)

Und noch eines ist wichtig: "Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott." (Römer 2,11). Ein Minister, der vor Gott schwere Schuld hat, wird sich nicht auf seine parlamentarische Immunität berufen können. Sondern im Gegenteil: Er wird sich vorwerfen müssen, seine Macht nicht ge- sondern mißbraucht zu haben. Und ein Bettler, der keine Macht hat und fast nichts für andere tun kann, von dem wird Gott auch fast nichts erwarten, außer der Bitte um Vergebung und Gottes Segen.

Mir persönlich ist sehr viel mitgegeben: Ich habe viele Begabungen (naturwissenschaftlicher, sprachlicher und humoristischer Art :-))), mir geht es materiell gut (ich bin zwar beim besten Willen nicht "reich", habe kein Auto, keinen Fernseher (brauche ich beides nicht) aber dafür ein Teleskop und einen Computer. Doch ich gehöre weltweit gesehen wohl zu den oberen 10%. Völlig falsch wäre es jetzt, wenn ich denken würde, mir durch Gebete, Spenden, Kirchgang usw. den Himmel verdienen zu können: Die ewige Seligkeit ist ein unverdientes Geschenk Gottes, das ich dankend annehme. Ich bitte Jesus, daß er mich erlöst (und spüre, daß er es tut, auch wenn ich manchmal Zweifel und Ängste habe). Und meine Fotoaktion, meine Texte zu Glaubensfragen und anderes mache ich aus Überzeugung und Freude. Selbst, wenn mir Gott jetzt schon garantieren würde, daß und wie sehr ich im Himmel sein werde, würde ich an meinem Engagement nichts wesentliches ändern.

 

 

Martin Wagner, 1.12.2002

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